
Baby kommt nach neuer Diagnose-Methode zur Welt
Artikel | 02.09.2009 12:15 Uhr

In Großbritannien ist jetzt ein Kind nach einem neuen Erbguttest geboren worden. Der Test soll die Erfolgsquote von künstlichen Befruchtungen erhöhen
Foto: dpa
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Sie hatte zuvor 13 gescheiterte Versuche der Reagenzglas-Befruchtung und drei Fehlgeburten. Es handle sich um das weltweit erste Baby, das nach der speziellen Diagnostik geboren wurde, teilte die Care Fertility Group im englischen Nottingham mit. Die Befruchtungs-Klinik wandte dabei eine Technik an, bei der die Eizellen oder Embryonen nach einer Untersuchung der Erbgutträger (Chromosomen) ausgewählt werden.
"Eine vollständige Analyse der Chromosomen verdoppelt möglicherweise die Schwangerschaftschancen für Paare, die gescheiterte Befruchtungsversuche oder Fehlgeburten hinter sich haben", sagte Professor Simon Fishel von der Care-Gruppe. Chromosomale Anomalitäten sind oft der Grund, dass Embryonen nicht durchkommen, selbst wenn sie unter dem Mikroskop gesund aussehen. "Bis zur Hälfte der Eizellen von jüngeren Frauen und bis zu 75 Prozent bei Frauen über 39 weisen Anomalitäten auf", sagte Fishel. Olivers Geburt sei ein "wichtiger Meilenstein", um zu verstehen, warum Frauen nicht schwanger werden. Die Mediziner gehen davon aus, dass der Test die Chancen auf eine Schwangerschaft deutlich erhöht.
Das besondere sei, dass der Test (die sogenannte Array Comparative Genomic Hybridisation) nur bis zu 48 Stunden dauert. Die Eizellen müssten deshalb nicht eingefroren werden, was oft zu Schäden führt. Das Screening kostet rund 2000 Pfund (rund 2300 Euro) und wird zusätzlich zu den IVF-Kosten berechnet.
Bevor Eizellen befruchtet werden, stoßen sie doppelte Chromosomen ab, um Platz für die Erbgutträger der Samenzelle zu machen. Die abgestoßenen Chromosomen werden in sogenannten Polkörpern aufbewahrt. Bei der Diagnose werden diese unter anderem darauf hin untersucht, ob sie zu viele oder zu wenig Chromosomen haben. Eine Art der Polkörperdiagnostik ist auch schon in Deutschland erfolgreich durchgeführt worden.
Allerdings dürfen in der Bundesrepublik - im Gegensatz zu England - nur unbefruchtete Eizellen untersucht werden und keine befruchteten oder Embryonen. Der Verband British Fertility Society erklärte, die neue Test-Methode sei vielversprechend, es sei aber noch mehr Forschung notwendig. Vor zu viel Optimismus warnten auch andere Experten. Professor Peter Braude vom King's College in London sagte: "Im Moment kann das nur als sehr, sehr großer Glücksfall angesehen werden."
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