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Eine Frage der Lebensplanung

annafischer-Interview mit:
Prof. Dr. Klaus Vetter, Klinik für Geburtsmedizin Vivantes Klinikum Berlin-Neukölln.

Die Statistik sagt, dass die Zahl der Kaiserschnitte zunimmt. Ist das auch Ihre Erfahrung?
Ja, wir können davon ausgehen, dass inzwischen bundesweit mehr als 30 Prozent der Geburten per Kaiserschnitt stattfinden. Vor zehn Jahren waren es kaum 20 Prozent.

Was sind die Gründe?
Das ist nicht mit einem Wort zu sagen. Es gibt nach wie vor medizinische Gründe, die diese Operation – und eine solche ist es ja – notwendig machen. Es gibt Frauen, die haben Angst vor den Schmerzen und möglichen Komplikationen einer natürlichen Geburt, andere möchten nach der Entbindung sexuell und körperlich so attraktiv sein wie vorher, und das versprechen sie sich vom Kaiserschnitt. Es gibt also viele Gründe...

Was ist ungefährlicher, ein Kaiserschnitt oder eine natürliche Geburt?
Diese Frage kann man ebenso wenig eindeutig beantworten. Ein Kaiserschnitt ist eine Operation, die zwar heute Routine ist, aber nichtsdestotrotz alle Risiken einer Operation in sich birgt – Infektionen, Schmerzen danach, einen längeren Heilungsprozess. Aber auch eine normale Geburt kann bekanntlich schwierig verlaufen, ja auch einen Kaiserschnitt ungeplant notwendig machen. Unter diesen Gesichtspunkten kann man nicht sagen, das eine ist besser als das andere... Hat sich eine Frau entschieden, nur ein Kind zu bekommen und ist für sie das Geburtserlebnis an sich nicht so vordergründig wichtig, kann sie den Kaiserschnitt erwägen. Bei der Planung einer größeren Familie sollte sie bedenken, dass ein Kaiserschnitt spätere Normalgeburten verkompliziert. Die Gebärmutter hat ja eine Narbe und kann reißen. Ziemlich wenig im Zentrum der medizinischen Aspekte einer Normageburt standen bisher solche Spätfolgen wie Bindegewebsschwäche und damit Harn- und Stuhlinkontinenz, Heute wissen wir, dass ältere Frauen zunehmend darunter zu leiden haben, auch also Folge von – natürlichen – Geburten. Damit muss sich die Medizin zunehmend kümmern, gemeinsam mit den Frauen. Das heißt nicht, dass nun ausschließlich der Kaiserschnitt der Ausweg ist.

Was raten Sie Ihren Patientinnen?
Dass sie dies, unter Heranziehen aller notwendigen Informationen, verantwortungsbewusst selber entscheiden müssen! Dazu braucht man Zeit, zum Sich-Informieren, Überlegen, für Gespräche.
Es ist nicht zuletzt eine Frage der Lebensplanung!