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Falsche Haltung beim Musizieren führt zu Beschwerden

Pausen machen: Klagen Kinder beim Üben über Schmerzen, sollten Eltern der Ursache auf den Grund gehen - und sie nicht zum Weiterspielen zwingen. (Bild: Marks/dpa/tmn)
Pausen machen: Klagen Kinder beim Üben über Schmerzen, sollten Eltern der Ursache auf den Grund gehen - und sie nicht zum Weiterspielen zwingen. (Bild: Marks/dpa/tmn)
Musizieren entspannt - das ist die landläufige Meinung. Doch bei manchen Hobby- oder Berufsmusikern führt es genau zum Gegenteil: Sie sind verspannt und haben Schmerzen. Manchmal reicht es schon, auf eine körperschonendere Haltung des Instruments zu achten.

Manche Musiker plagen heftige Schmerzen, die durch das Musizieren hervorgerufen werden. Als Ursache nennen Mediziner eine falsche Haltung und Überanstrengung beim exzessiven Üben. In den meisten Fällen lassen sich die Beschwerden aber durch Physiotherapie wieder in den Griff bekommen.

"Es kann jeden betreffen, der etwas intensiver musiziert", erläutert Prof. Maria Schuppert, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin (DGfMM) in Mainz. Neben Profimusikern erkranken also durchaus auch Musikbegeisterte, die nur als Hobby ein Instrument spielen. "Die Beschwerden korrelieren mit der täglichen Übezeit", erklärt Schuppert, die auch das Zentrum für Musikergesundheit der Hochschule für Musik in Detmold leitet. Und sie hängen von dem Stück ab, das Musiker einstudieren.

"Es treten physische und psychische Beschwerden auf, vergleichbar mit denen von Sportlern", erläutert Schuppert. Mit dem Unterschied, dass Sportler eher damit umzugehen wüssten. Auch Nils Graf Stenbock-Fermor, Vorsitzender des Deutschen Orthopäden-Verbandes (DOV) in Köln, zieht den Vergleich zum Sport: Es sei ein Überlastungsproblem, vergleichbar mit dem Tennisarm. Mediziner sprechen bei solchen Beschwerden von "Overuse", einer Überanstrengung der Muskeln.

Grundsätzlich sei bei "asymmetrischen Instrumenten" wie Violine oder Flöte die Wahrscheinlichkeit von Beschwerden höher, ergänzt Dagmar Wolff, Instrumentalpädagogin, Physiotherapeutin und selber Pianistin: Musiker nehmen beim Spielen dieser Instrumente eine schiefe Haltung ein, die sie oft nicht ausgleichen. "Jedes Instrument bringt eigene Schwierigkeiten mit sich", sagt Wolff.

Stenbock-Fermor hat die Erfahrung gemacht, dass Hobbymusiker eher unter "Overuse" leiden. Als Grund vermutet er, dass sie eher Fehler bei der Haltung machen als Berufsmusiker, die eine fundierte Ausbildung haben.

In den meisten Fällen lassen sich die Beschwerden allerdings wieder in den Griff bekommen, erläutert die DGfMM-Vizepräsidentin - auch wenn die Therapie langwierig sein kann. Bei körperlichen Beschwerden sei es wichtig, die Belastungen frühzeitig zurückzuschrauben. Auch eine schnelle physiotherapeutische Behandlung sei wichtig. Begleitend könnten Medikamente verabreicht werden, um die Schmerzen zu lindern und die Entzündungen zu hemmen.

Besonders Eltern sollten sensibel sein, wenn ihre Kinder über Schmerzen beim Üben klagen, rät Wolff. "Es ist absolut nicht okay, durch Schmerzen durchzuspielen." Schmerzen seien ein Warnsignal, dass irgendetwas beim Spielen schiefläuft. Dann sei erstmal ein Stopp angesagt, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. Wolff empfiehlt, sich an den Hausarzt, einen Orthopäden oder Physiotherapeuten zu wenden und die Beschwerden zu beschreiben.

Um herauszufinden, wodurch die Schmerzen hervorgerufen werden, rät sie, das Instrument mitzunehmen und die Spielhaltung zu demonstrieren. Wichtig sei, die Schmerzen ernst zu nehmen und nicht selbst daran herumzudoktern. Mitunter reiche es aber aus, öfter Pausen einzulegen und nicht zu sehr zu powern, empfiehlt Schuppert: "Dass man nach drei Stunden Brahms nicht mehr ganz taufrisch ist, ist klar - das ist vergleichbar mit einem 10 000-Meter-Lauf."

Eltern sollten prüfen, ob ihre Kinder ein Instrument in passender Größe spielen, empfiehlt Wolff. Und sie sollten auf ihre Kinder nicht zu großen Druck ausüben.