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„...Frauen müssen das Klima in der Chirurgie bestimmen“

Interview mit: Dr. Gunda Leschber ist Chefärztin der Thoraxchirurgischen Klinik, Evangelische Lungenklinik Berlin Buch

Nur Mut „Kein Durchschnittsjob: ChirurgIn“ – so lautet der Aufruf des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen zur Gewinnung von Nachwuchs in diesem wichtigen Fach. Sie engagieren sich dabei explizit dafür, weibliche Medizinstudierende anzusprechen. Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Hindernisse für den Berufseinstieg?

Dr. Leschber: Da ist sicher die immer noch vorherrschende Dominanz männlicher Chirurgen im OP, und zweifellos ist dies ein Fach, in dem bisher sehr oft ein ganz spezieller, rauer Ton herrscht. Die wenigen Frauen, die hier tätig sind, müssen das Klima noch mehr bestimmen und auch als Vorbilder für die Studentinnen auftreten. Insofern ist das Engagement der Chirurginnen im Mentorinnennetzwerk des DÄB nicht genug hervorzuheben. Und sind es auch mitunter schwer planbare Arbeitszeiten, z. B. in der Unfallchirurgie, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf kompliziert machen. Hier müssen praktikable Lösungen gefunden werden.

Was können Sie als Chefärztin in der Thoraxchirurgie dazu tun?

Dr. Leschber: Ich versuche mit meinen acht MitarbeiterInnen alle Probleme so weit wie möglich im Team zu lösen, und da sind die Geschlechter paritätisch verteilt. Unsere PJ-lerinnen wollen im Fach bleiben, das finde ich schon mal gut und spricht für unsere Zusammenarbeit!

Gibt es aus Ihrer Sicht eine Geschlechtsspezifik bei der Ausübung des Berufs – sind Chirurginnen „anders“ als ihre männlichen Kollegen?

Dr. Leschber: Sicher machen Ärztinnen auch in diesem Fach manches anders als ihre männlichen Kollegen. Ich meine, sie sind in der Regel einfühlsamer den Patienten gegenüber. Was die handwerklichen Fertigkeiten und Vorzüge betrifft, so sind die Unterschiede eher individuell, nicht so sehr geschlechtsspezifisch. Ich selbst finde dieses Fach auch nach vielen Berufsjahren noch aufregend, man ist ganz unmittelbar am Erfolg einer Operation beteiligt, das ist ja nicht überall so in der Medizin. Dazu kommen die spannenden Entwicklungen in der Chirurgie, vor allem die minimal invasiven Möglichkeiten, vielleicht ein besonders interessantes Feld für Ärztinnen. Neuigkeiten könnte es auch geben, wenn wir uns verstärkt der Geschlechtsspezifik bei chirurgischen PatientInnen zuwenden, müssen wir z. B. eine Frau mit Lungenkrebs anders operieren als einen Mann, wo sind die Unterschiede? Ein weites Feld für Forschung und Praxis und eine große Herausforderung auch für junge Chi­rur­g­innen!
Quelle: „ÄRZTIN“ 1/2008