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Komplementärmedizin ist sinnvolles Instrumentarium für Ärztinnen

Prof. Dr. med. Claudia Witt von der Berliner Charité erhielt vor kurzen eine Stiftungsprofessur Komplementärmedizin.

Herzlichen Glückwunsch zur Stiftungsprofessur! Welche aktuellen Aufgabenstellungen bearbeiten Sie?

Witt: Unsere Forschung widmet sich den häufig angewendeten Verfahren, dazu gehören die Naturheilverfahren, die Homöopathie und die Chinesische Medizin. Insbesondere interessieren wir uns für Fragen zur Wirksamkeit, Therapiesicherheit und Kosteneffektivität.

Alternative Medizin wird von den Patientinnen und Patienten zunehmend nachgefragt: Wie ist aus Ihrer Sicht der Stand, ist das ein „Modetrend“ oder wirklich ein Trend zur Ausgewogenheit in der Wahl der Behandlungsmethoden?

Witt: Die letzten Umfragen ergaben, dass ca. 60% unserer Bevölkerung komplementärmedizinische Verfahren anwenden. Die Erfahrung aus Studien ist, dass es insbesondere bei der Homöopathie und Akupunktur meist Patienten mit chronischen Erkrankungen sind, die oft die Komplementärmedizin zusätzlich zur Schulmedizin anwenden. Insgesamt halte ich es nicht für einen Modetrend, denn dafür besteht das Interesse schon zu lange. Jedoch gibt es natürlich Verfahren, die zurzeit eher im Trend sind wie die chinesische Medizin und die Mind Body Medicine.

Es macht den Anschein, als ob es vor allem Ärztinnen seien, die die Zusatzqualifikationen wie z. B. Akupunktur, TCM o. ä. wählen. Lässt sich das begründen, und wo sehen Sie überhaupt den Platz der Komplementärmedizin im Instrumentarium der Medizin generell? Welches sind gute Fortbildungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet, was können Sie Ärztinnen raten?

Witt: Aus meiner Sicht ist eine Entwicklung zu einer Integrativen Medizin sinnvoll. Natürlich können nur die komplementärmedizinischen Verfahren in die normale Patientenversorgung integriert werden, die sich als wirksam und nebenwirkungsarm erweisen. Es ist auch wichtig, dass bereits die Studierenden einen Einblick in die häufig angewendeten komplementärmedizinischen Verfahren und dem Stand der Forschung zu diesen Verfahren erhalten, damit sie mit ihren Patienten kompetent darüber diskutieren können. Für approbierte Ärztinnen wird eine Vielzahl von Weiterbildungen zur Naturheilkunde, Akupunktur und Homöopathie angeboten, die u. a. auch zusatzbezeichnungsrelevant sind.
Das Gespräch führte Annegret Hofmann
Quelle: ÄRZTIN 3/08