
„Wir brauchen mehr wissenschaftliche Grundlagen für die hausärztliche Arbeit!“
Artikel | 19.01.2009 12:59 Uhr
Interview mit Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier, Direktorin der Abteilung Allgemeinmedizin an der MH Hannover
Was kann die Forschung für die HausärztInnen tun?
Prof. Hummers-Pradier: Die dringlichste Aufgabe ist die Schaffung von wissenschaftlichen Grundlagen, die in der Praxis anwendbar sind. Uns fehlt sehr viel Wissen darüber, welche medizinischen Diagnose- und Behandlungsoptionen für die Hausarztpraxis wirklich relevant sind, aber auch, was Patienten in der Gesundheitsversorgung wirklich wollen. Viele krankheitsbezogene Behandlungsempfehlungen sind in ihrer vorliegenden Form gar nicht in der Hausarztpraxis anzuwenden.
Die Hausärztin, der Hausarzt ist in der Regel erste Anlauf-stelle für PatientInnen, hat es mit den unterschiedlichsten Erkrankungen zu tun, das ist ein hoher Anspruch...
Prof. Hummers-Pradier: Deshalb fordere ich nachdrücklich eine Aufwertung dieses Fachgebietes! Politisch geschieht da schon einiges, aber im Forschungsbereich und innerärztlich ist sicher noch eine Menge zu tun. Es gibt zu wenige Lehr-stühle und Abteilungen für Allgemeinmedizin an den Uni-versitäten, und die vorhandenen sind in der Regel personell unterbesetzt. Erfreulicherweise gibt es inzwischen mehr finanzielle Mittel für Forschungen, das Problem ist erkannt. Und es muss schon deshalb dringend gelöst werden, weil wir immer mehr gute Allgemeinmediziner ausbilden müssen – die demografische Entwicklung schreit geradezu danach.
Sie dürfte zukünftig die größte Herausforderung für das Fachgebiet Allgemeinmedizin sein...
Prof. Hummers-Pradier: Eine älter werdende Bevölkerung, die zunehmende Verbreitung chronischer Krankheiten, Multimorbidität – das ist eine ganz andere Medizin... Ärzte brauchen den komplexen Blick, sind schon im Vorfeld der Entstehung von Erkrankungen gefordert, also in Beratung und Prävention, die wesentlich differenzierter erfolgen müssen als bisher. Darüber hinaus sind neue Kooperationen notwendig, nicht nur mit den Fachspezialisten, sondern auch mit Pflege- und sozialen Diensten. Hausärztinnen und -ärzte werden mehr und mehr Teamspieler, ob in Gemeinschaftspraxen, Ärztehäusern, Versorgungszentren. Das ist auch eine sehr spannende Zukunft für die Hausärzteschaft!
Was kann die Forschung für die HausärztInnen tun?
Prof. Hummers-Pradier: Die dringlichste Aufgabe ist die Schaffung von wissenschaftlichen Grundlagen, die in der Praxis anwendbar sind. Uns fehlt sehr viel Wissen darüber, welche medizinischen Diagnose- und Behandlungsoptionen für die Hausarztpraxis wirklich relevant sind, aber auch, was Patienten in der Gesundheitsversorgung wirklich wollen. Viele krankheitsbezogene Behandlungsempfehlungen sind in ihrer vorliegenden Form gar nicht in der Hausarztpraxis anzuwenden.
Die Hausärztin, der Hausarzt ist in der Regel erste Anlauf-stelle für PatientInnen, hat es mit den unterschiedlichsten Erkrankungen zu tun, das ist ein hoher Anspruch...
Prof. Hummers-Pradier: Deshalb fordere ich nachdrücklich eine Aufwertung dieses Fachgebietes! Politisch geschieht da schon einiges, aber im Forschungsbereich und innerärztlich ist sicher noch eine Menge zu tun. Es gibt zu wenige Lehr-stühle und Abteilungen für Allgemeinmedizin an den Uni-versitäten, und die vorhandenen sind in der Regel personell unterbesetzt. Erfreulicherweise gibt es inzwischen mehr finanzielle Mittel für Forschungen, das Problem ist erkannt. Und es muss schon deshalb dringend gelöst werden, weil wir immer mehr gute Allgemeinmediziner ausbilden müssen – die demografische Entwicklung schreit geradezu danach.
Sie dürfte zukünftig die größte Herausforderung für das Fachgebiet Allgemeinmedizin sein...
Prof. Hummers-Pradier: Eine älter werdende Bevölkerung, die zunehmende Verbreitung chronischer Krankheiten, Multimorbidität – das ist eine ganz andere Medizin... Ärzte brauchen den komplexen Blick, sind schon im Vorfeld der Entstehung von Erkrankungen gefordert, also in Beratung und Prävention, die wesentlich differenzierter erfolgen müssen als bisher. Darüber hinaus sind neue Kooperationen notwendig, nicht nur mit den Fachspezialisten, sondern auch mit Pflege- und sozialen Diensten. Hausärztinnen und -ärzte werden mehr und mehr Teamspieler, ob in Gemeinschaftspraxen, Ärztehäusern, Versorgungszentren. Das ist auch eine sehr spannende Zukunft für die Hausärzteschaft!
Das Gespräch führte Annegret Hofmann
Quelle: ÄRZTIN 4/06
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