
„Wir sind gemeinsam mit den ÄrztInnen für Therapiefreiheit“
Artikel | 19.01.2009 13:00 Uhr
Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (VFA) vertritt, als Wirtschaftsverband der forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland. die Interessen von 47 forschenden Arzneimittelherstellern und über 100 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des VFA beschäftigen in Deutschland mehr als 90.000 Mitarbeiter. ÄRZTIN sprach mit Cornelia Yzer, die seit 1997 als Hauptgeschäftsführerin die Geschicke des VFA mit leitet.
Wohin bewegt sich aus Ihrer Sicht die Gesundheitsversorgung in unserem Land? Wird es zukünftig für alle PatientInnen eine ausreichende Arzneimittelversorgung geben, ohne dass aber der wachsende Anspruch vieler Ärztinnen und Ärzte auf eine Ausgewogenheit zwischen alternativen Methoden und der Entwicklung von Pharmazeutika mit hohem Forschungsaufwand und dementsprechend hohen Kosten vernachlässigt wird?
C. Yzer: Die Versorgungsrealität gibt leider schon heute einigen Anlass zur Besorgnis: Das Institut für Empirische Gesundheitsökonomie hat in einem Gutachten die Kosten der Unterversorgung in Deutschland anhand von fünf exemplarischen Indikationen untersucht. Die Ergebnisse: Millionen deutscher Patienten sind von einer eklatanten Unterversorgung mit Arzneimitteln betroffen, die daraus resultierenden Schäden gehen in die Milliarden.
Drei Beispiele aus der Studie: Die Gesamtkosten der Unterversorgung für die Depression betragen 17,9 Mrd. Euro pro Jahr und übersteigen damit die Kosten für eine leitliniengerechte Therapie. Die Gesamtkosten der Unterversorgung bei rheumatoider Arthritis betragen 6,8 Mrd. Euro im Jahr. Bei Osteoporose sind über ein Zehnjahreszeitraum Gesamtkosten der Unterversorgung in Höhe von 3,59 Mrd. Euro ermittelt worden, wobei die direkten Kosten bei 2,76 Mrd. und die indirekten bei 832,8 Mio. Euro liegen.
Beim Thema Unterversorgung lässt sich prototypisch ablesen, wie im Gesundheitssystem Geld verschwendet wird, weil falsch gespart wird. Über zahlreiche Restriktionen wird es den Ärzten regelrecht erschwert, innovative Medikamente zu verschreiben. So ist es kein Wunder, dass nach einer aktuellen Studie fast drei Viertel der niedergelassenen Ärzte in Deutschland der Meinung sind, dass die Therapiefreiheit nicht mehr gewährleistet ist. Die Folge der zunehmenden Restriktionen sind aber keine Einsparungen, sondern Mehrkosten. Das ist aus Sicht einer gesamtgesellschaftlichen Kostenrechnung eine Form von „rechte Tasche – linke Tasche“, die Patienten mit ihrer Gesundheit und die Allgemeinheit mit hohen nachgelagerten Aufwendungen bezahlen. Nur wenn es uns gelingt, gesamtwirtschaftliche Kostenrechnungen zur Kalkulationsgrundlage unseres Gesundheitssystems zu machen - und zwar unter Einschluss alternativer Methoden - können wir den gigantischen Verschiebebahnhof zwischen eingesparten Akutbehandlungskosten und erhöhten Spätfolgekosten stoppen.
Wo treffen sich Pharmahersteller und ÄrztInnen diesbezüglich und in der Zukunft? Sind z. B. komplementärmedizinische Herausforderungen auch eine Aufgabe für forschende Pharmahersteller?
C. Yzer: Forschende Pharmahersteller sind stets daran interessiert, dass ihre Präparate Teil einer sinnvollen Gesamtbehandlung werden, zu der auch andere Therapiemodalitäten kommen. Man ist es aber den Patientinnen und Patienten wie auch der Bezahlbarkeit des Gesundheitswesens schuldig, dass nur mit Maßnahmen therapiert wird, deren Wirksamkeit wissenschaftlich gesichert ist. Wo Komplementärmedizin das bietet, ist sie uns willkommen.
In der Gendermedizin wird oft angemahnt, mehr Medikamente speziell auf ihre Wirkung auf Frauen (auf Kinder, auf ältere Menschen) zu untersuchen bzw. speziell solche für bestimmte Gruppen herzustellen. Damit einher geht die Kritik an der „Standardtestperson“ - jung, weiß, männlich... Einiges hat sich ja hier in der Herangehensweise schon geändert. Wie ist dabei der aktuelle Stand, ist das eine ernst zunehmende Herausforderung für die VFA-Unternehmen?
C. Yzer: Die Einsicht, dass die Wirkung von Medikamenten differenziert betrachtet werden muss, wird heute kaum noch bestritten. Deshalb ist es gut, dass zum Beispiel die Integration geschlechterspezifischer Aspekte in die pharmakologische Forschung immer weiter vorangetrieben wird, wie am Berliner Institut für Geschlechterforschung in der Medizin an der Charite unter der Leitung von Prof. Regitz-Zagrosek. Durch das große Engagement, vor allem vieler Ärztinnen, wird inzwischen Genderaspekten bei der Arzneimittelentwicklung die erforderliche Beachtung geschenkt: Seit Ende der 1990er Jahre werden neue Medikamente konsequent mit Frauen geprüft, um eventuelle Wirksamkeitsunterschiede festzustellen, so dass heute jeder sicher sein kann: Jedes Medikament, das für Männer und Frauen zugelassen wird, ist auch mit Männern und Frauen getestet worden. Und unsere Mitgliedsfirmen haben bei ihren Forschungsarbeiten gerade auch Krankheiten wie Brustkrebs, Osteoporose, Multiple Sklerose und Rheuma im Fokus, die fast nur oder meist Frauen betreffen.
In der Vergangenheit fielen oft kritische Worte über den Druck, den Pharmahersteller auf ÄrztInnen und ihre Verschreibungspraxis ausübten. Eine freiwillige Selbstkontrolle der Pharmahersteller sollte hier für Transparenz sorgen, wie beurteilen Sie deren Wirkung, wie ist die Lage heute?
Ähnliche Überlegungen gibt es ja wohl auch in der Zusammenarbeit der Pharmaindustrie mit Patientenorganisationen?
C. Yzer: Die Mitgliedsunternehmen des VFA haben 2004 den Verein „Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.“ (FSA) gegründet und einen Verhaltenskodex („FSA-Kodex Fachkreise“) entwickelt, der hohe ethische Standards setzt, die von allen Mitgliedsunternehmen zwingend einzuhalten sind. Danach ist eine Beeinflussung von Therapie- oder Verordnungsentscheidungen nicht zulässig.
Die Schiedsstelle des FSA stellt sicher, dass die Verhaltensregeln des Kodex bei der Zusammenarbeit von Ärzten und Industrie auch tatsächlich eingehalten werden, um eine unlautere Beeinflussung der ärztlichen Unabhängigkeit auszuschließen. Verstöße können bei der Schiedsstelle von jedermann und jeder Institution angezeigt werden, etwa von Patienten, Ärzten, Unternehmen, Krankenkassen oder Behörden, und mit einer Geldstrafe bis zu 50.000 Euro (in der ersten Instanz) bzw. bis zu 250.000 Euro (in der zweiten Instanz) sanktioniert werden. Im Jahr 2007 ist der FSA 62 Beanstandungen nachgegangen; allein dies zeigt, dass sich die Selbstregulierung in der Praxis bewährt hat. Die Ergebnisse der Entscheidungen sind für jedermann auf der Homepage der FSA einsehbar.
Die Selbstregulierung betrifft seit Oktober 2008 nicht mehr nur die Zusammenarbeit mit Ärzten, sondern auch die Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen. Transparenz ist dabei oberstes Gebot. Der „FSA-Kodex Patientenorganisationen“ sieht unter anderem vor, dass Unternehmen ihre finanzielle Unterstützung für Patientenverbände veröffentlichen müssen, dass sie keinen unlauteren Einfluss auf die Arbeit der Selbsthilfeorganisationen nehmen und dass sie keine Exklusivität in der Zusammenarbeit verlangen dürfen. Die forschenden Arzneimittelhersteller werden diesen Prozess fortsetzen und gemeinsam mit allen Partnern im Gesundheitswesen, insbesondere mit der Ärzteschaft und den Patientenorganisationen, die Standards für eine ethisch vertretbare Zusammenarbeit kontinuierlich fortentwickeln
Bei den forschenden Pharmaherstellern sind, so könnte man sich vorstellen, auch viele Wissenschaftlerinnen beschäftigt (nicht zuletzt Ärztinnen) - welchen Anteil haben sie an den Pharmaforschungen, was ist über ihre Arbeit, ihre Spezifika zu sagen, gibt es Bereiche, in denen sie besonders stark oder besonders selten vertreten sind?
C. Yzer: Ich habe in den letzten Jahren viele Frauen in Führungspositionen in unseren Mitgliedsunternehmen kennengelernt. Etliche leiten als Naturwissenschaftlerinnen Labors, planen als Ärztinnen klinische Studien oder erarbeiten als Anwältinnen Patentanträge. Ich habe Ingenieurinnen getroffen, die Herstellungsprozesse entwickeln, und Pharmakantinnen, die sie dann steuern. Dann nicht zu vergessen: die Produktmanagerinnen, Außendienstlerinnen und Arzneimittelsicherheits-Expertinnen. Eine Reihe von Unternehmen haben Programme um den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen gezielt zu fördern. Dennoch - und da unterscheidet sich die Branche nicht vom Rest der Gesellschaft - sind heute noch zu wenig Frauen in Führungsverantwortung.
Wie stellen Sie sich ganz persönlich die Zusammenarbeit zwischen Pharmaherstellern und ÄrztInnen vor, und welche besonderen Akzente gibt es in diesem Zusammenhang bei den Schnittstellen zwischen der Pharmaindustrie und Ärztinnen?
C. Yzer: Die Zusammenarbeit zwischen Pharmaherstellern und ÄrztInnen muss transparent und respektvoll sein. Jedem Beteiligten muss seine Rolle im Gesundheitswesen klar sein: Die Industrie stellt Hilfsmittel zur Heilung bereit, ÄrztInnen entscheiden, wo diese eingesetzt werden. Soweit diese Rollenverteilung Kooperation und gegenseitige Information nötig macht, ist diese richtig und hilfreich!
Wohin bewegt sich aus Ihrer Sicht die Gesundheitsversorgung in unserem Land? Wird es zukünftig für alle PatientInnen eine ausreichende Arzneimittelversorgung geben, ohne dass aber der wachsende Anspruch vieler Ärztinnen und Ärzte auf eine Ausgewogenheit zwischen alternativen Methoden und der Entwicklung von Pharmazeutika mit hohem Forschungsaufwand und dementsprechend hohen Kosten vernachlässigt wird?
C. Yzer: Die Versorgungsrealität gibt leider schon heute einigen Anlass zur Besorgnis: Das Institut für Empirische Gesundheitsökonomie hat in einem Gutachten die Kosten der Unterversorgung in Deutschland anhand von fünf exemplarischen Indikationen untersucht. Die Ergebnisse: Millionen deutscher Patienten sind von einer eklatanten Unterversorgung mit Arzneimitteln betroffen, die daraus resultierenden Schäden gehen in die Milliarden.
Drei Beispiele aus der Studie: Die Gesamtkosten der Unterversorgung für die Depression betragen 17,9 Mrd. Euro pro Jahr und übersteigen damit die Kosten für eine leitliniengerechte Therapie. Die Gesamtkosten der Unterversorgung bei rheumatoider Arthritis betragen 6,8 Mrd. Euro im Jahr. Bei Osteoporose sind über ein Zehnjahreszeitraum Gesamtkosten der Unterversorgung in Höhe von 3,59 Mrd. Euro ermittelt worden, wobei die direkten Kosten bei 2,76 Mrd. und die indirekten bei 832,8 Mio. Euro liegen.
Beim Thema Unterversorgung lässt sich prototypisch ablesen, wie im Gesundheitssystem Geld verschwendet wird, weil falsch gespart wird. Über zahlreiche Restriktionen wird es den Ärzten regelrecht erschwert, innovative Medikamente zu verschreiben. So ist es kein Wunder, dass nach einer aktuellen Studie fast drei Viertel der niedergelassenen Ärzte in Deutschland der Meinung sind, dass die Therapiefreiheit nicht mehr gewährleistet ist. Die Folge der zunehmenden Restriktionen sind aber keine Einsparungen, sondern Mehrkosten. Das ist aus Sicht einer gesamtgesellschaftlichen Kostenrechnung eine Form von „rechte Tasche – linke Tasche“, die Patienten mit ihrer Gesundheit und die Allgemeinheit mit hohen nachgelagerten Aufwendungen bezahlen. Nur wenn es uns gelingt, gesamtwirtschaftliche Kostenrechnungen zur Kalkulationsgrundlage unseres Gesundheitssystems zu machen - und zwar unter Einschluss alternativer Methoden - können wir den gigantischen Verschiebebahnhof zwischen eingesparten Akutbehandlungskosten und erhöhten Spätfolgekosten stoppen.
Wo treffen sich Pharmahersteller und ÄrztInnen diesbezüglich und in der Zukunft? Sind z. B. komplementärmedizinische Herausforderungen auch eine Aufgabe für forschende Pharmahersteller?
C. Yzer: Forschende Pharmahersteller sind stets daran interessiert, dass ihre Präparate Teil einer sinnvollen Gesamtbehandlung werden, zu der auch andere Therapiemodalitäten kommen. Man ist es aber den Patientinnen und Patienten wie auch der Bezahlbarkeit des Gesundheitswesens schuldig, dass nur mit Maßnahmen therapiert wird, deren Wirksamkeit wissenschaftlich gesichert ist. Wo Komplementärmedizin das bietet, ist sie uns willkommen.
In der Gendermedizin wird oft angemahnt, mehr Medikamente speziell auf ihre Wirkung auf Frauen (auf Kinder, auf ältere Menschen) zu untersuchen bzw. speziell solche für bestimmte Gruppen herzustellen. Damit einher geht die Kritik an der „Standardtestperson“ - jung, weiß, männlich... Einiges hat sich ja hier in der Herangehensweise schon geändert. Wie ist dabei der aktuelle Stand, ist das eine ernst zunehmende Herausforderung für die VFA-Unternehmen?
C. Yzer: Die Einsicht, dass die Wirkung von Medikamenten differenziert betrachtet werden muss, wird heute kaum noch bestritten. Deshalb ist es gut, dass zum Beispiel die Integration geschlechterspezifischer Aspekte in die pharmakologische Forschung immer weiter vorangetrieben wird, wie am Berliner Institut für Geschlechterforschung in der Medizin an der Charite unter der Leitung von Prof. Regitz-Zagrosek. Durch das große Engagement, vor allem vieler Ärztinnen, wird inzwischen Genderaspekten bei der Arzneimittelentwicklung die erforderliche Beachtung geschenkt: Seit Ende der 1990er Jahre werden neue Medikamente konsequent mit Frauen geprüft, um eventuelle Wirksamkeitsunterschiede festzustellen, so dass heute jeder sicher sein kann: Jedes Medikament, das für Männer und Frauen zugelassen wird, ist auch mit Männern und Frauen getestet worden. Und unsere Mitgliedsfirmen haben bei ihren Forschungsarbeiten gerade auch Krankheiten wie Brustkrebs, Osteoporose, Multiple Sklerose und Rheuma im Fokus, die fast nur oder meist Frauen betreffen.
In der Vergangenheit fielen oft kritische Worte über den Druck, den Pharmahersteller auf ÄrztInnen und ihre Verschreibungspraxis ausübten. Eine freiwillige Selbstkontrolle der Pharmahersteller sollte hier für Transparenz sorgen, wie beurteilen Sie deren Wirkung, wie ist die Lage heute?
Ähnliche Überlegungen gibt es ja wohl auch in der Zusammenarbeit der Pharmaindustrie mit Patientenorganisationen?
C. Yzer: Die Mitgliedsunternehmen des VFA haben 2004 den Verein „Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.“ (FSA) gegründet und einen Verhaltenskodex („FSA-Kodex Fachkreise“) entwickelt, der hohe ethische Standards setzt, die von allen Mitgliedsunternehmen zwingend einzuhalten sind. Danach ist eine Beeinflussung von Therapie- oder Verordnungsentscheidungen nicht zulässig.
Die Schiedsstelle des FSA stellt sicher, dass die Verhaltensregeln des Kodex bei der Zusammenarbeit von Ärzten und Industrie auch tatsächlich eingehalten werden, um eine unlautere Beeinflussung der ärztlichen Unabhängigkeit auszuschließen. Verstöße können bei der Schiedsstelle von jedermann und jeder Institution angezeigt werden, etwa von Patienten, Ärzten, Unternehmen, Krankenkassen oder Behörden, und mit einer Geldstrafe bis zu 50.000 Euro (in der ersten Instanz) bzw. bis zu 250.000 Euro (in der zweiten Instanz) sanktioniert werden. Im Jahr 2007 ist der FSA 62 Beanstandungen nachgegangen; allein dies zeigt, dass sich die Selbstregulierung in der Praxis bewährt hat. Die Ergebnisse der Entscheidungen sind für jedermann auf der Homepage der FSA einsehbar.
Die Selbstregulierung betrifft seit Oktober 2008 nicht mehr nur die Zusammenarbeit mit Ärzten, sondern auch die Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen. Transparenz ist dabei oberstes Gebot. Der „FSA-Kodex Patientenorganisationen“ sieht unter anderem vor, dass Unternehmen ihre finanzielle Unterstützung für Patientenverbände veröffentlichen müssen, dass sie keinen unlauteren Einfluss auf die Arbeit der Selbsthilfeorganisationen nehmen und dass sie keine Exklusivität in der Zusammenarbeit verlangen dürfen. Die forschenden Arzneimittelhersteller werden diesen Prozess fortsetzen und gemeinsam mit allen Partnern im Gesundheitswesen, insbesondere mit der Ärzteschaft und den Patientenorganisationen, die Standards für eine ethisch vertretbare Zusammenarbeit kontinuierlich fortentwickeln
Bei den forschenden Pharmaherstellern sind, so könnte man sich vorstellen, auch viele Wissenschaftlerinnen beschäftigt (nicht zuletzt Ärztinnen) - welchen Anteil haben sie an den Pharmaforschungen, was ist über ihre Arbeit, ihre Spezifika zu sagen, gibt es Bereiche, in denen sie besonders stark oder besonders selten vertreten sind?
C. Yzer: Ich habe in den letzten Jahren viele Frauen in Führungspositionen in unseren Mitgliedsunternehmen kennengelernt. Etliche leiten als Naturwissenschaftlerinnen Labors, planen als Ärztinnen klinische Studien oder erarbeiten als Anwältinnen Patentanträge. Ich habe Ingenieurinnen getroffen, die Herstellungsprozesse entwickeln, und Pharmakantinnen, die sie dann steuern. Dann nicht zu vergessen: die Produktmanagerinnen, Außendienstlerinnen und Arzneimittelsicherheits-Expertinnen. Eine Reihe von Unternehmen haben Programme um den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen gezielt zu fördern. Dennoch - und da unterscheidet sich die Branche nicht vom Rest der Gesellschaft - sind heute noch zu wenig Frauen in Führungsverantwortung.
Wie stellen Sie sich ganz persönlich die Zusammenarbeit zwischen Pharmaherstellern und ÄrztInnen vor, und welche besonderen Akzente gibt es in diesem Zusammenhang bei den Schnittstellen zwischen der Pharmaindustrie und Ärztinnen?
C. Yzer: Die Zusammenarbeit zwischen Pharmaherstellern und ÄrztInnen muss transparent und respektvoll sein. Jedem Beteiligten muss seine Rolle im Gesundheitswesen klar sein: Die Industrie stellt Hilfsmittel zur Heilung bereit, ÄrztInnen entscheiden, wo diese eingesetzt werden. Soweit diese Rollenverteilung Kooperation und gegenseitige Information nötig macht, ist diese richtig und hilfreich!
Das Gespräch führte Annegret Hofmann
Quelle: ÄRZTIN 4/08
